Sprichworte sind nicht mein Ding. Knallt man seinem Gegenüber ja gern an den Kopf, wenn man’s nicht mit eigenen Worten sagen kann. So etwa wie „ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht“. Sollen halt auf einer gemeinsamen Sprachebene gleich klarmachen, was gemeint ist, weswegen sie bei Menschen, die dem Sprachraum nicht angehören, für Stirnrunzeln sorgen. Manchmal passen sie aber auch mir. Wie das mit den Bäumen. Das verstand ich wieder, während ich die vergangenen Monate im Westerwald verbrachte. Nein, nicht rund um die Uhr, sondern zu gesitteten Wanderzeiten, also von morgens bis abends. Und was entdeckte ich dabei? Vieles, was mir sonst nicht auffällt. Wege, Orte, Regionen, die ich bis dahin links liegen gelassen habe. Weil ich auf ausgetretenen Pfaden unterwegs war, eben nicht nach links oder nach rechts geguckt habe. Durch den Wanderführer sah ich vieles, was ich vorher noch nicht oder lange nicht mehr wahrgenommen hatte. Altes neu entdecken also. Den großen Überblick, den man zu haben glaubt, aufs Detail reduzieren, wieder die kleinen Dinge sehen.

Mosel

Was das mit dem Reiseführer „Mosel“ aus dem Peter Meyer Verlag zu tun hat? Sehr viel, denn die Mosel ist ähnlich wie Eifel oder Rhein eine Region, die ich eigentlich gut zu kennen glaube. Eigentlich heißt ja eigentlich schon: im Grunde also gar nicht. Natürlich, Städte wie Trier oder Koblenz, Orte von da (Trier) nach dort (Koblenz) und so weiter haben wir in den vergangenen Jahrzehnten öfter bereist, besucht, betreten. Aber dann gibt es über das Übliche, das Gewohnte hinaus Plätze, an denen wir noch niemals waren, Sehenswürdigkeiten, die uns bisher durch die Lappen gingen, ganze Landschaften, die uns nicht interessant genug erschienen. Ausgetretene Pfade vermitteln ein allgemeines Gefühl von Sicherheit, so wie der Camper, dessen Eltern schon Stellplatz 7 zur Sommerfrische fix angemietet hatten und der den Wohnwagen samt Inventar geerbt hat. Same procedure as every year. Beruhigend. Aber langweilig.

Ich habe das im Westerwald so empfunden. Die alten Wege werden ja nicht schlecht, aber neue Wege sind gut. Nicht per se, aber wenn ich’s nicht versuche, erfahre ich es nie. Umso gespannter war ich auf das Buch “199 km Mosel”, das unter der Herausgeberschaft von Annette Sievers 258 Seiten – wie lese ich auf dem Rückumschlag – „9 Bäder & Thermen, 17 besondere Tipps, 20 Schiffs-Fährfahrten, 23 Campingplätze, 27 Wander- & Radtouren, 33 Museen, 43 Orte, 84 Winzerhöfe, 99 Restaurants & Cafés, 132 Fotos, 370 Telefonnummern, 857 genaue Preise und 965 www/@-Adressen“ vermittelt.

199 Kilometer Mosel (wie gesagt: von Trier nach Koblenz) lassen sich für diesen „Freizeit- und Reiseführer“ gut in einzelne Regionen unterteilen. Bei PMV werden die Kapitel als „Griffmarken“ bezeichnet, am Seitenrand heben sie sich durch farbliche Markierungen voneinander ab. Den Anfang machen allgemeine Angaben zum Aufenthalt an der Mosel. Wie die aussehen, lässt sich gut an einer PDF erkennen, die von der Verlagsseite heruntergeladen werden kann und einen ersten Einblick ins Buch verschafft: PDF zum Freizeit- und Reiseführer Mosel.

 

[tip]

•        199 km Mosel
•        258 Seiten
•        Verlag: Peter Meyer Verlag
•        Erscheinungsjahr: 2013
•        Besonderheiten:132 Abbildungen, Übersichtskarten, Lesezeichen
•        ISBN: 978-3-89859-310-6
•        Verkaufspreis: EUR(D) 18,00
•        Format:  17 x 12 x 1,6 cm [/tip]

Die weiteren Griffmarken widmen sich dann der Obermosel, Trier, den Moselschleifen Zell & Bremm, Cochem oder Koblenz. Den Abschluss des Buchs bilden Karten und Register. Die Karten erstrecken sich über 6 Seiten und führen nicht nur die wichtigen Örtlichkeiten an der Mosel auf, sondern gewähren auch einen Blick in die Eifel und den Hunsrück.

Unter „Terrassenmosel“ entdecke ich neben einem Festkalender allgemeine Anmerkungen zur Region, danach Informationen zu Karden (Touristinfo, Fahrradverleih, Camping), ausführliche Beschreibungen zum Moseldom, der Stiftskirche St. Castor samt Öffnungszeiten und Eintrittspreisen. Die Infos sind so detailliert, dass sie mein Interesse weckten – mehr wäre bei dem doch begrenzten Umfang vermessen. Ein Foto zur Kirche begleitet diesen Text, wie es ähnlich in der folgenden Schilderung zum Buchsbaum-Wanderpfad zu sehen ist. Zum Wanderweg werden neben der knappen, aber ausreichend anschaulichen Passage noch Angaben wie Weglänge gemacht. Der Hinweis auf das „Spiel- und Spaßbad Treis-Karden“ schließt den Abschnitt ab – für mich weniger interessant, aber wenn mir jeder Programmpunkt gefallen soll, muss ich das Buch selbst schreiben.

Ähnlich aufgebaut sind alle Kapitel, wobei sie oftmals erweitert werden um Tipps zu Hotels oder Restaurants oder besonderen Hinweisen oder Anmerkungen (bei Burg Eltz wird auf die Ganerbenburg eingegangen).

Mir ist die Mosel nicht ganz unbekannt. Wobei – je weiter ich mich von Koblenz entferne, umso mehr betrete ich unbekanntes Terrain. Da kommt mir ein Freizeit- und Reiseführer wie dieser gerade recht. Nicht alles ist mir neu, aber vieles nicht mehr in meinem Blickfeld. Bücher wie „199 km Mosel“ können Sehenswürdigkeiten wieder in den Fokus rücken oder ins Gedächtnis zurückrufen – oder erstmals zum Besuch locken. Die Fülle an Informationen und die Bandbreite gefallen mir, nicht zuletzt auch, weil sie eine gute Grundlage zur gezielten weiteren Recherche sein können. Da ist mir ein Buch auch allemal lieber als das Internet, in dem ich doch allzu oft ziellos durch die Gegend klicke auf der Suche nach gebündelten Informationen. Viele Touristinfos kochen ihr eigenes Süppchen oder andere pflegen ihre Internetauftritte viel zu lässig – da lobe ich mir ein Moselbuch wie das vorliegende.

Was mir nicht gefällt: Die Seiten wirken auf mich unruhiger als eine Horde junger Hunde. Orange, blau, schwarz springen mir die Buchstaben in die Augen, fett und normal, kursiv und nicht-kursiv, unterschiedliche Schriftgrößen – da werde ich selbst ganz zappelig beim Lesen. Etwas weniger Vielfalt wäre in dem Fall besser fürs Auge. Aber wichtig ist ja, was drin ist. Und das ist gut. Wer an die Mosel reisen will und Anregungen braucht, sollte sich „199 km Mosel“ auf jeden Fall genauer anschauen.

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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