Alles stürmt im Affenzahn durchs Leben. Weihnachtsgesäusel im Frühherbst, die August-Ausgabe meines Lieblings-Magazins am 15. April, der »Cyber-Monday« schon am Freitag (und am Samstag und am Sonntag). Wenig Zeit soll bleiben zum Innehalten, zum Nachdenken, damit ich gar nicht auf die Idee komme, dass Dumpfbacken mich durchs Leben treiben wollen.

Was hilft da? Wandern – ja, kann gut sein. Sich Hinsetzen, etwas in die Hand nehmen, daraufschauen, aufschlagen, lesen? Auch das passt. Nicht an der Oberfläche bleiben, also nicht nur durch die Natur wandern, sondern sich damit befassen, beschäftigen, auseinandersetzen.

Ein guter Anfang dabei sind Naturführer. Mit »Der Kosmos Tier- und Naturführer« legt der Kosmos Verlag ein stabiles, um nicht zu sagen schweres Nachschlagewerk mit 546 Seiten zu einem wohlfeilen Preis an. Der Schutzumschlag ist abwaschbar, und das überreich bebilderte Buch ist handlich genug, dass es zur Wanderung oder Exkursion mitgenommen werden kann.

Aber warum mitnehmen, wo das Kaminfeuer doch glimmt und prasselt und der Tee gesüffelt werden will. Genau, ein Buch wie dieses lädt zum Durchblättern ein und zum Schmökern. Wer mir da gleich zustimmen möchte, kann einen »Blick ins Buch« werfen – und sieht dann gleich, wie das Buch aufgebaut ist und was es an Inhalt offeriert.

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•        Der Kosmos Tier- und Pflanzenführer
•        Autoren: Dierschke, Gmindern, Hecker, Hensel, Spohn
•        546 Seiten
•        Verlag: Kosmos
•        Erscheinungsjahr: 2013
•        Besonderheiten:  2666 Farbfotos, 1302 Farbzeichnungen, 19 SW-Zeichnungen
•        ISBN: 978-3-440-13119-0
•        Verkaufspreis: EUR(D) 12,99
•        Format:  18 x 11,2 x 3,2 cm [/tip]

Und das ist eine ganze Menge. 1000 Arten (ich habe es mir erspart nachzuzählen, denn das Register umfasst alleine 17 ½ Seiten) warten zwischen den Seiten, angefangen bei den Säugetieren, weiter über Vögel, Reptilien und Amphibien zu den Fischen, Insekten, Spinnen, Schnecken, Muscheln und anderen. Und das sind erst die Tiere! Bäume und Sträucher, Blumen und Gräser, Farne, Moose und zum guten Schluss die Pilze geben mir den Rest.

Schon jetzt sei gesagt, dass diese überbordende Fülle natürlich nicht nur gute Seiten hat. Jede Buchseite ist vollgepfropft mit Informationen; auf jeder Seite entdecke ich zwei Tiere oder Pflanzen, sodass die Layouter alle Hände voll zu tun hatten, Fotos und Abbildungen und Text unter einen Hut zu bringen. Die Schriftgröße leidet darunter, viele Details sind recht klein geschrieben und (für mich) manchmal mühsam zu entziffern.

Ich greife mir mal den Rotmilan exemplarisch heraus und erläutere an ihm, wie die Autoren ihm mir näherbringen. Der deutsche Name und der wissenschaftliche Name finde ich oberhalb des Steckbriefs, darunter Angaben zur Größe oder zum Gewicht; beim Rotmilan wird auch die Spannweite angegeben und dass er ein Kurzstreckenzieher ist. Ein kleines Foto in der oberen Ecke zeigt mir den Rotmilan im Flug, darunter lese ich bei den wichtigen Merkpunkten, woher er vorkommt, seine Brutzeit und dass er eine Brut im Jahr am Hals hat. Darunter klärt mich eine kleine, aber farbige Karte über das Verbreitungsgebiet, natürlich beschränkt auf Europa, auf. Farblich unterschieden wird dabei zwischen Brutgebiet, Durchzugsgebiet, Überwinterungsgebiet und dem ganzjährigen Vorkommen. Bei anderen Tierarten wie Reptilien erübrigen sich einige Kennzeichnungen natürlich.

 

Kosmos Tier- und Pflanzenführer

Beim Rotmilan erfahre ich, wie seine »Stimme« klingt: »Auf und absteigendes Pfeifen (»wiuuu-wiu-wiu-wiu.«) An dieser Stelle verlasse ich kurz das Buch und weise auf eine Besonderheit hin. Ein Zeichen neben dem Vogelnamen weist auf den »TING-Stift« hin. Wer mehr darüber wissen möchte, der informiere sich auf der Website zum TING-Stift. Kurz gefasst: Der Hörstift hat einen eingebauten Lautsprecher. Mit dem Sensor an der Spitze wird ein Code im Buch ausgelesen, mit dem eine Audiodatei im Stift aktiviert wird. Sobald dieses Zeichen beispielsweise beim Rotmilan angetippt wird, ertönt das »auf und absteigende Pfeifen«. Ich habe den Hörstift nicht, der empfohlene Verkaufspreis liegt bei etwas unter 40 Euro – eine Anschaffung, die ich mir (bislang) erspart habe. Aber das mit dem Hörstift klingt wirklich interessant. Mehr als 250 Tierstimmen (von Wildschwein über Goldammer bis zum Erdkröte, um wahllos einige Beispiele zu nennen) kann gelauscht werden.

Im Buch werden mir noch kleinere Fotos des Rotmilans in verschiedenen Flugphasen und mit Kennzeichnung einiger Körperteile präsentiert, daneben ein letztes, größeres Foto. Abgerundet wird der Steckbrief mit Informationen zum Jagdverhalten, zur Beute und zum Aufenthaltsort. Letztlich weisen auf jeder Seite ein Farbcode und ein Symbol auf die Artengruppe hin.

Ich muss gestehen, ich habe diesen Naturführer erst einmal mit draußen gehabt. Liegt auch an mir, denn »draußen« werden die Bücher zerfleddert, und obwohl das umfangreiche Buch fast unschlagbar im Preis ist, ist’s mir dafür doch zu schade. Brauche ich das Buch dann überhaupt?

Was für eine Frage! Es ist wirklich zum Schmökern geeignet, gerade jetzt für die Rezension habe ich mich förmlich festgebissen, bin durch die Seiten gewandert und habe mir dies und das zu Gemüte geführt. Und wirklich am prasselnden Kamin.

Mein Vorschlag: Sich das Buch in der Buchhandlung selbst ansehen (falls der »Blick ins Buch« noch nicht genügt). Womöglich mit nach Hause nehmen. Sich an den Kamin (oder einen anderen kuschligen Ort) setzen, vielleicht tief in den Ohrensessel einsinken. Und so wie wahllos blättern, an diesem Tier oder jener Pflanze hängenbleiben, altes Wissen auffrischen oder Neues erwerben. Die Natur einfach von draußen mit nach drinnen nehmen. Gerade jetzt, da die Natur uns die kalte Schulter zeigt und vielleicht lieber mal allein mit sich sein möchte, können wir ihr den Gefallen tun und daheim mehr über sie erfahren.

Und wer das Buch später mit nach draußen nimmt, sollte sich die Sache mit dem TING-Hörstift durch den Kopf gehen lassen. Könnte gut sein, dass so Technik auch in der Natur Spaß macht.

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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