Was hat der Heidschnuckenweg mit Höhenangst zu tun, werden sich wahrscheinlich sehr viele fragen. Für mich – sehr viel.

Wer, so wie ich, unter extremster Höhenangst leidet, die sich dazu in den letzten Jahren auch noch immer mehr gesteigert hat, für den ist Wandern in unserem Umfeld, also geprägt von den Höhen und Tälern in Westerwald und Eifel, immer eine Tortur.

„Möchtest du denn überhaupt wandern?“, werde ich immer wieder gefragt. Ich kann nur immer wieder antworten: „Ja, ich möchte wandern“. Aber ich möchte gerne einmal wieder ohne Angst wandern, ohne nächtelang vorher nicht schlafen zu können, weil die Gedanken sich um ein kurzes Wegstück drehen, das vielleicht ja auch nur in meinen Gedanken besteht, dass aber für mich eine schwierige, vielleicht unumgehbare Stelle beinhaltet. Und wir reden hier jetzt nicht über wirklich spektakuläre Abhänge oder dergleichen, sondern, wie Georg zu sagen pflegt, über gut ausgebaute Wanderwege. ;)

Höchstens ein Drittel der Traumpfade ist für mich noch ohne größere Probleme gehbar, von Rhein- und Moselwanderwegen möchte ich gar nicht erst sprechen. In Gebäuden fällt es mir zum Teil schwer, ohne Baugrimmen in den 1. Stock zu gehen. Da hilft bis jetzt auch kein Üben. Diese gut gemeinten Vorschläge haben wir natürlich alle schon ausprobiert.

Das Wandern ist für Georg und mich also immer mit Schwierigkeiten behaftet und genauem Überlegen: geht der Weg oder geht er nicht. Das zerrt an den Nerven und nimmt vieles an der Freude und Entspannung, die das Wandern bieten soll und kann.

Schon lange schweben bei mir daher Wege wie der „Heidschnuckenweg“ oder die „Nordpfade“ im Kopf herum. Auf den Nordpfaden haben wir Urlaub für den Herbst gebucht. Als dann die Anfrage von Top Trails of Germany noch für den Heidschnuckenweg kam, war meine Freude natürlich riesengroß.

Das heißt nämlich: Wege ohne Abhänge, ohne nennenswerte Höhen, ohne „Gefahren“. Würde dies mein erhofftes unbeschwertes Wandern werden, was ich mir schon so lange wieder für uns beide wünsche.

Auch hier ließ sich das vorherige akribische Lesen der Wegbeschreibungen nicht vermeiden. Auch hier sprangen mir so Wörter wie „steil“, „nah an der Hangkante“, „hoch über dem Bachlauf“ ins Auge. Doch irgendwie klangen sie anders, weniger bedrohlich.

Schon auf der Hinfahrt zeigt sich nach einiger Zeit das entspannte Landschaftsbild des nördlichen Flachlandes. Toll. :-)

Die genauen Wegetappen könnt ihr bei Georgs Wanderberichten über unsere Tage in der Heide nachlesen. Ich werde mich hier auf meine Eindrücke beschränken.

Was macht den Reiz des Heidschnuckenweges aus? Wie würde ich den Weg empfinden und würde meine Höhenangst endlich einmal keinen Grund finden sich zu melden?

Schon auf den ersten Metern nimmt mich die Ruhe gefangen. Die Schritte verhallen lautlos auf dem weichen, meist sandigen Boden. Der Blick schweift in die Ferne, nicht aufgehalten von Bergrücken und abgelenkt von Tälern. Und auch die Gedanken werden ruhig.

Hier kann ich einfach drauflosgehen, ohne viel zu überlegen, was denn wohl als Nächstes kommt. Die weite Sicht macht das Wandern zu einem ganz anderen Erlebnis. Ich schaue auf Dinge, die ich sonst durch ein Übermaß an Ablenkung gar nicht wahrnehmen würde. Gerade jetzt im Frühjahr, mit seinem frischen Grün, hat die Heidelandschaft ihren besonderen Reiz.

Die Heideflächen wirken noch ein wenig grau und trist, das wird im Herbst, während der Heideblüte ganz anders sein, in Gedanken male ich mir die blühende Heide in all ihren Lilatönen aus. Aber so wird mein Blick auf die anderen Schönheiten der Heide gerichtet, auf die skurril anmutenden Wacholderbüsche oder das frische, leuchtende Grün der Gräser und Wildblumen. Die weißen Stämme der Birken recken sich gerade in den Himmel und ihr junges frisches Blätterkleid raschelt im Wind.

Der Weg gleitet ohne nennenswerte Höhenunterschiede vor sich hin. Wobei – auch hier gibt es Berge! Einige von ihnen erklimmen wir, so den Wilseder Berg mit seinen 169 Metern Höhe. Steil soll der Anstieg sein, so steht es im Prospekt. Aber selbst für mich ist der Anstieg ohne Probleme zu meistern. Kein Anzeichen von Höhenangst, kein Zwicken im Bauch, kein Angstgefühl im Kopf. So hatte ich mir das gewünscht. Ich stehe oben an der Abgrenzung und schaue in die Weite – dahin, wo man bei klarer Sicht in der Ferne Hamburg erkennen soll – und bilde mir ein: dort im Dunst, ganz verschwommen … Aber das ist dann wohl doch nur Wunschdenken ;-)

Zwischen den einzelnen Heidegebieten dehnen sich Felder, Wiesen und lichte Waldstücke aus, so dass alles zusammen wie eine bunte Perlenkette aneinandergereiht die Vielfalt des Heidschnuckenweges ausmacht. Es wird nie langweilig, ein Stück durch Heide, dann durch lichte Waldstücke, meist auf breiten Wirtschaftswegen. Aber immer wieder auch auf schmalen Pfaden.

Der Blick kann weit schweifen, oft kommt einem ein Wegstück endlos vor und doch wird es nicht langweilig. Durch die Ruhe der Landschaft können auch die Gedanken zur Ruhe kommen, man geht und geht. Saugt die Stille mit jedem Schritt ein, das ist für mich Erholung.

Wie habe ich ihn also empfunden, den lang ersehnten ruhigen Wanderweg, den Heidschnuckenweg?

Ich kann nur sagen, meine Erwartungen wurden vollends erfüllt. Meine Höhenangst war mir nicht ein einziges Mal im Weg, sie hatte keinen Grund aufzumucken. Auf dem ganzen Wegstück, das wir gewandert sind, gab es nicht einmal eine Stelle, an der ich sagen musste: „Nein danke, hier dann doch lieber ohne mich.“

Und trotz allem kam keine Langeweile auf, es war ein erholsames, entspanntes Wandern. Anders als gewohnt, aber mit seinem ganz besonderen Reiz.

 

 

Zum 1. Tag geht es hier entlang: Von Spinnerei und Heidehexe und dem Gold der Lüneburger Heide

Zum 2. Tag geht es hier entlang: Von Heidschnucken und Heide pur am Heidschnuckenweg

Zum 3. Tag geht es hier entlang: Auf dem Heidschnuckenweg von Niederhaverbeck nach Undeloh

Zum 4. Tag geht es hier entlang: Auf dem Heidschnuckenweg von Undeloh nach Handeloh

Petras Bericht von Spinnerei und Schäferhof: Von einer Heidjerin und einem Heidschnucken-Schäfer

Im Pietzmoor waren wir auch: Frühmorgens durch das Pietzmoor bei Schneverdingen

 

[Hinweis! Unsere Bloggerreise wird von den Top Trails of Germany und der Lüneburger Heide GmbH und Einrichtungen vor Ort gesponsert.]

 

Schlenderer

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... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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Eine Antwort

  1. Elke

    Also deine Höhenangst ist nichts worüber man lachen sollte, aber ein wenig grinsen musste ich schon bei dem deftigen Anstieg auf dem Heidschnuckenweg :D

    Übrigens die NIEDERlande sind für dich auch absolut ungefährlich und da gibt es auch wunderschöne Naturschutzgebiete.

    Aber zurück zu den Heidschnucken und ihrem Weg. Georg hat sehr schöne Fotos von dir gemacht :-)

    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten

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