Warum haben wir nie in Gerolstein angehalten? In den vergangenen Jahren sind Petra und ich einige Male in die Region um Prüm gefahren – Gerolstein liegt für uns auf der Strecke. Die Verbindung führt entlang der Kyll durch den Ort, wobei der Blick wie gebannt hoch wandert zu den Felsen über Gerolstein. Doch dort hinauf, das schafften wir nie.

Dazu musste ich erst ein Wanderbuch schreiben. Also rief ich meinen Wanderfreund KD an, und er rief zurück: »Only the Best go West!«, oder wie der Rheinländer zu sagen pflegt: »Mach hinne!« Recht hat er, denn wir sind alt, und die Zeit wird knapp.

Also den japanischen Zwergesel gesattelt und quergedüst durch die Eifel. »Fahrnfahrnfahrnaufderautobahn« bis schräg unterhalb von Daun, rüber dann nach Gerolstein, abgesattelt nahe bei der Tourist-Information. Rucksack hinten drauf, und ab dafür.

Wir hatten zwei Wanderungen vor den Augen und gut 17 Kilometer vor den Füßen. Die erste von zwei verschlungenen Wanderrunden führte uns zur Löwenburg, zur Büschkapelle und zur Dietzenley. Dort, von ganz oben von dem Aussichtsturm, genossen wir die … äh, richtig … Aussicht, warfen noch einige Kraftriegel und eiskalte Getränke ein, und wandelten im Schatten des Waldes via Heiligenstein zurück nach Gerolstein.

Derweil tobte die Sonne hoch über uns. Die 30 Grad ließen wir locker hinter uns, und so schritten wir gut 50 Jahre Alten temperaturmäßig munter auf die 40 und altersmäßig auf die 60 zu, wobei wir uns bei der Hitze ausgebrannt wie 70-Jährige fühlten. Hoch hinauf ging es für uns zwei durch felsige Klippen, dann schön über das Plateau an einem gallo-römischen Friedhof vorbei zur Kasselburg. Weiter dann zum Gelände des Gerolsteiner Brunnens, den wir dürstend rechts liegen ließen. Ein paar »Kaulen« weiter krochen wir ausgemergelt in die Buchenlochhöhle – wiewohl man dort gut stehen kann -, schleppten uns schweißnass zum Munterleyfelsen und fluchten später – nachdem uns bei den herrlichen Aussichten Tränen des Glücks – oder war es doch Schweiß? – die Wangen hinabflossen -, weil wir den Munterleyfelsen entgegen jeder Beschilderung nach »links« verließen.

»Rechts« wäre der rechte Weg gewesen. Normal hätten wir unten dann auch geflucht und gesagt (während unsere Blicke wie gebannt hoch wanderten zu den Felsen über Gerolstein): »Achscheißderhunddrauf«. Doch, ach, der Hüter von Los&Schicksal eines Wanderbuchautors hält einen Trumpf in der Hinterhand: »Du musst alle Wege gegangen sein, die Du in Dein Büchlein einträgst, müder Mann, und mögen Deine Füße auch schreien vor Schmerz und Deine Kehle trocken sein wie die Wüste Gobi. So gehet denn hinauf und jammert nicht länger, und wenn doch, dann bitte so leise, dass ich es nicht höre. Und ab dafür!«

So krochen KD und ich mit krummen Rücken und geraden Stöcken hinan zum Munterleyfelsen, auf dass er uns ein zweites Mal sähe und all die Wanderer, die uns zuvor links herum entschwinden sahen, uns nun rechts herum wieder aufsteigen sehen. Unsere Augen flackerten wirr, und so ernteten wir seltsame Blicke und hörten durch die dicke Schicht aus Schweiß, wie Eltern ihre Kinder vor »seltsamen alten Männern in Multifunktionshosen und mit blanken Oberkörpern« warnten und dass sie eines Tages auch so enden würden, wenn sie nicht brav des Abends ihr Abendbrot äßen, und so fort.

Was soll ich sagen. Der Munterleyfelsen ist auch nach einem zweiten Aufstieg schön. Wirklich. Und die Mühsal hat sich ja auch gelohnt. Zwei schöne Wanderungen auf einen Schlag, die sich noch dazu wunderbar teilen lassen, falls der Schweiß zu stark fließt. Ach ja, was ich im Anschluss noch machte: Die Routenführung umdrehen, sozusagen. Die zweite, die schweißtreibende Etappe zuerst, dann hinüber bis zur Dietzenlay. So steht’s nun auch im Wanderbuch. Denn die zweite Wanderrunde hat deutlich mehr Schatten, viel Wald halt, und passt bei großer Hitze besser in die Mittags- und die Nachmittagszeit. Wenn die Sonne richtig ballert …

Geballert hätten wir dann im Anschluss fast noch in der »Rockeskyller Brennerei«, doch die sparten wir uns für einen anderen Tag auf. Nein, noch ganz anders. KD blieb an dem anderen Tag außen vor, Petra begleitete mich. Vermutlich, weil sie befürchtete, dass ich sonst mir die Birne mit Schnaps zuballern würde. Und vielen anderen hochprozentigen Alkoholika, die im Hause gebrannt werden. Ein paar Fläschchen packten wir in die Einkaufstüte, doch beileibe nicht genug, sodass eine Wiederkehr nicht nur gut möglich, sondern nötig ist.

Wer mehr über diese Ganztagestour mit Einkehr erfahren möchte, greife zu meinem bald erscheinenden Buch »Wanderungen für die Seele«.

Wanderungen für die Seele

 

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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