Wer mich kennt, der weiß: Sobald ich losgewandert bin, habe ich Hunger. Es ist also nicht verwunderlich, dass ich den Kosmos Verlag um das Buch »Essbare Wildkräuter und Wildbeeren für unterwegs« gebeten habe, wobei sich das »unterwegs« speziell aufs Buch bezieht. Es ist mit seiner Größe sozusagen mundgerecht für den Wanderer, weil er’s entweder in den Rucksack, ein Seitenfach oder – so schmal ist es – in eine größere Hosentasche packen kann. Ideal also, um unterwegs nach den Pflanzen und besonders den Beeren zu gucken und den Hunger im Zaum zu halten.


Das Büchlein mit seinen 178 Seiten ist nicht nur handlich, sondern mit einer wetterfesten Plastikhülle versehen. Das ist gut, denn wer sich nach der einen oder anderen Beere bückt oder im Gebüsch herumhangelt, tatscht später dann auch mal gern mit farbigen Fingern vom Beerensaft übers Buch. Die Innenseiten werden es natürlich trotzdem übel nehmen.

Rudi Beiser porträtiert in seinem Handbuch 140 Wildkräuter und -beeren und sogenannte »Verwechslungsarten«. Damit die wortreiche Kost nicht allzu trocken ist, garniert er den Text mit über 300 Fotos und Farbzeichnungen. Das reicht vollkommen aus, damit die Augen sich stattsehen können und die Vorstellungskraft befriedigt wird.

 

[tip]

•   Essbare Wildkräuter und Wildbeeren für unterwegs
•   Autor: Rudi Beiser
•   Verlag: Kosmos Verlag
•   Erscheinungsjahr: 2012
•   Seiten: 176
•   Besonderheiten: über 300 Fotos und Farbzeichnungen
•   ISBN: 978-3-440-13072-8
•   Verkaufspreis: EUR(D) 8,95
•   Format: 18 x 10,8 x 1 cm[/tip]

Der »Kosmos-Farbcode« hilft mir beim Gang durch diesen Kräutergarten. Auf den ersten Seiten wird mir der erläutert. Farblich unterlegt sind die folgenden sechs Bereiche:

  • Lebensraum Wald
  • Lebensraum Wiese
  • Lebensraum Gewässer
  • Lebensraum Feldflur/Acker
  • Bäume und Sträucher
  • Giftige Doppelgänger

Das erleichtert mir das Auffinden der Pflanzen. Um mir, dem Laien, das Lesen noch weiter zu erleichtern, werden mir sodann die Fachausdrücke im Bild erklärt. Das habe ich auch bitter nötig, denn nach dem Biologieunterricht vor vielen Dekaden hatte ich mit »Griffel« und »Narbe« und »Fruchtknoten« wenig am Hut. Doch bevor es richtig ins Grüne geht, erhalte ich noch eine Handvoll allgemeine Informationen zu den Wildkräutern wie »Urnahrung der Menschheit«: Für Steinzeitmenschen deckten sie 80 % des Bedarfs an Nahrung. Was für unsere Vorfahren gut war, sollte für uns doch nicht schlecht sein, oder?

Danach wird mir noch ein Zahn gezogen. 12.000 Pflanzen wachsen in Europa, davon sind 1500 essbar – 140 werden mir in diesem Buch vorgestellt. Da gibt es also über dieses Buch hinaus noch viel in der Natur, was noch auf meine Entdeckung wartet. Dafür macht es mir der Autor leicht, er unterteilt – wie zuvor aufgezeigt – die Pflanzen in ihre Lebensräume, sodass ich sie je nachdem, wo ich mich aufhalte, gut selbst zuordnen kann. Pflanzen, die in verschiedenen Lebensräumen heimisch sind, werden dem zugeschlagen, in dem sie am häufigsten vorkommen. Bei den Lebensräumen werden die Pflanzen dann nach ihrer Hauptsammelzeit aufgelistet: Frühling, Frühsommer, Sommer und Herbst.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit dem richtigen Sammeln der Wildkräuter und dem Ernten sowie der sicheren Bestimmung, denn einige der Kräuter haben giftige Doppelgänger.

Den Hauptteil des Buches nehmen die Porträts ein. Am Beispiel der Heidelbeere (Blaubeere) erläutere ich den Aufbau. Auf der rechten Seite sehe ich ein Foto der Heidelbeere, das die halbe Seite einnimmt und nicht nur bei dieser einen anschaulichen Eindruck der Pflanze vermittelt. Auf der linken Seite sehe ich grün unterlegt am oberen Rand »Im Wald: Herbst«. Wie erwähnt, wird hiermit der Lebensraum gekennzeichnet sowie die Hauptsammelzeit. Darunter lese ich die gebräuchlichen deutschen und den lateinischen Namen. 

Darunter folgen bei jedem Wildkraut drei Abschnitte: Merkmale, Vorkommen und Verwertung. Bei den Merkmalen erfahre ich etwas zur Größe, zum Wuchs, zu den Blüten und Blättern und weitere Hinweise, mit denen mir die Identifizierung ermöglicht wird. Beim Vorkommen nennt mir der Autor die Bereiche, in denen die Pflanze in der Regel anzutreffen ist, bei der Blaubeere in Nadelwäldern und auf Heiden. Die Verwertung ist für denjenigen von Belang, die nicht nur gucken, sondern auch essen wollen. Bei der Blaubeere sagt der Autor mir, dass die Blätter und Blüten gute Teemischungen ergeben und die Früchte am besten roh schmecken. Wenn sie eine gesundheitliche Wirkung wie die Blaubeere haben, wird mir diese auch noch genannt; die Blaubeere hat eine zellschützende Wirkung.

Am linken Rand sehe ich unter »Tipps für unterwegs« ein Symbol für Giftpflanzen mit dem Hinweis: Mit der Rauschbeere gibt es eine giftige Verwechslungsart, die auf Seite 151 im Kapitel »Giftige Doppelgänger« behandelt wird.

Abgerundet werden die Pflanzenporträts durch die Kapitel »Früchte von Bäumen und Sträuchern«, zu denen beispielsweise die Felsenbirne oder der Schwarze Holunder zählt, den genannten giftigen Doppelgängern mit Riesenbärenklau oder Roter Fingerhut, bei denen dann die jeweilige ungefährliche Pflanze aufgeführt wird, sowie einem gesonderten Kapitel mit Rezepten, bei denen natürlich die zuvor gesammelten Wildkräuter ein wesentlicher Bestandteil sind. Genauso nützlich sind die folgenden Tabellen mit Pflanzenarten und ihren Verwendungen, mit deren Hilfe ich schnell sehen kann, wo hinein ich den Bärlauch (Salat, Suppe und so weiter) oder die Brombeere (Tee, Likör und noch mehr) werfen oder legen kann. Den Abschluss bilden dann Pflanzendarstellungen mit hilfreichen Fachausdrücken.

Bis dato habe ich »Essbare Wildkräuter und Wildbeeren« noch nicht mit auf meine Wanderungen genommen. Warum, ergibt sich aus dem zuvor von mir Geschriebenen: Winterzeit ist keine Hauptsammelzeit. Ich warte aufs Frühjahr, dann aber wandert das Büchlein in den Rucksack, bereit bei der ersten prallen Frucht ausgepackt zu werden. Gut, Blaubeeren erkenne sogar ich, aber meine Kenntnisse sind doch schnell erschöpft. Den »Gundermann« erkenne ich nicht, selbst wenn er mir vor der Nase wedelt, und den »Acker-Hederich« hätte ich ja kaum vom »Gewöhnlichen Hirtentäschel« unterscheiden können (mal abgesehen davon, dass mir sein Name bis jetzt gänzlich unbekannt war).

Mit Rudi Beisers Hilfe aber werde ich meinem rudimentären Wissen auf die Sprünge helfen. Und vielleicht komme ich sogar eines Tages mit vollgepacktem Rucksack nach Hause, schütte ihn aus und überrasche meine Liebste mit einem Haufen selbst gepflücktem Schlangen-Wiesenknöterich, damit sie einen leckeren Salat daraus zaubert.

 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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3 Responses

  1. Elke Weber

    Das klingt, als wäre das Buch was für mich. Aber dann muss ich demnächst meinen veranschlagten Wanderzeiten noch einen vierten Zuschlag verpassen: nachschlagen, ob man das wohl auch futtern kann.
    Danke für den Tip und herzliche Grüße
    Elke Weber

    Antworten
    • Georg

      Dann mach aus “Wanderzeiten” doch “Schlenderzeiten”, dann passt das schon. ;-) Aber es stimmt schon, ich bin mittlerweile auch länger unterwegs als früher – Bücher gucken, Landschaft gucken, Fotos machen.

      Antworten
      • Elke Weber

        Das ist Zeitzuschlag Nr. 1: ich schwandere; Zuschlag 2: Stehenbleiben zum Fotografieren; Zuschlag 3: Bekanntes Essbares pflücken und futtern; mit dem Buch käme Zuschlag 4: nachschlagen, ob man das vielleicht auch essen kann. Die gemütlichen Pausen mit Ruhe und Landschaft genießen sowie den Versuchen zu definieren, was ich denn da für Berge, Windräder, Orte und sonstiges sehe fehlen auch noch in der Liste. Wenn ich allein unterwegs bin rechne ich schlicht die doppelte Zeit von der in Wanderführern oder sonstigem angegebenen. Dann habe ich keinen Stress und kann mich freuen, wenn ich schneller war :-). Bei den meisten anderen mit denen ich schon mal unterwegs bin, muss ich halt deutlich schneller sein und die nehmen trotzdem ihr Tempo noch gut zurück.
        Liebe Grüße
        Elke

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