Drei auf einen Streich

Drei auf einen Streich

Werbung

Dieser Blogartikel ist gesponsert und somit Werbung.


 

Mit »Rasch runter vom Sofa und rauf aufs Rad« lockt mich der Flyer zur rund 24 Kilometer langen Radtour zwischen Beverungen Bad Karlshofen am Rande des Teutoburger Waldes. Bei mir war’s dann mehr ein »raus aus dem Auto«, worüber ich nach gut dreistündiger Fahrt von Neuwied nach Bad Karlshofen mehr als froh war. Zwar sitzt man auf dem Sofa, im Auto und auf dem Fahrrad, doch es ist eine andere Art des Sitzens, eine doch sehr aktive Art. Ich muss strampeln, Kraft einsetzen, die Koordination im Griff haben – kurzum, den Arsch vom Sofa erheben und Energie rauspulvern.

Drei auf einen Streich

Beverungen

Nun kam man mir jedoch entgegen. Mit 62 Jahren kehrt sich das mit dem Welpenschutz ja um, man wird nicht geschützt, man wird geschont. Und so erhielt ich nach einer kurzen, fachkundigen Einführung ein E-Bike untern Hintern geschoben, also quasi, nicht wirklich. Bislang bin ich nur zwei Mal in meinem Leben geebiked, beide Male bei der Teuto Blogger WG 2021, einmal dabei schön übers Land, das andere Mal schön quere durch Bielefeld. Beide Ausfahrten auf ihre Art beeindruckend. Und schön war’s auch, so locker vom Hocker per Pedes unterwegs zu sein.

Drei auf einen Streich

Fachwerk beim Dorfplatz Lauenförde

Das also stand mir heute auch bevor. Zum vierten Mal nämlich rief mich die TeutoBloggerWG zu sich, und ich folgte gerne. Vier Programmpunkte warteten tagsüber auf mich. Der erste gleich am Freitag nach der Autofahrt. Statt Fußarbeit war sitzende Tätigkeit angesagt.
Diesmal erhielt ich für meine E-Bike-Tour eine Art Hollandrad, bequem und mit verschiedenen Gängen. Wobei ich erst spät den »Turbo« für mich entdeckte, dann aber exzessiv davon Gebrauch machte, bis der Akku zwar nicht qualmte, aber auf der letzten Rille seine Energie auf die Straße brachte.

Drei auf einen Streich

Aussicht bei der Krukenburg

Jan Paul von der Fahrradvermietung Weserbergland sorgte für unser fahrradtechnisches Wohl. Er bietet E-Bikes, Tourenräder, aber auch Scooter oder Mountainbikes an und organisiert Fahrradtouren für kleine Gruppen.

Bequem also war die Ausfahrt, das sage ich vorweg. Das Übrige zu einem tollen Nachmittag, was mir dann auch die lange Anfahrt versüßte, brachte die Tour selbst.
Aber welche Tour stand uns überhaupt bevor? »Drei auf einen Streich« nennt sich die Rundtour, rund 24 Kilometer weist die Tour im Tourenplaner auf, doch wir hatten letzten knapp 28 Kilometer; eingedenk einiger Abstecher nicht verwunderlich, und wer bleibt schon auf den vorgegebenen Wegen, wenn ringsherum noch so viel Interessantes wartet. »Drei auf einen Streich«, weil wir drei Bundesländer beradeln: Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Drei auf einen Streich

Am Weserufer in Beverungen

Dazu muss ich noch erwähnen, dass diese Radtour nicht ausgeschildert ist. Doch weil sie etliche markante Orte anläuft, fällt die Orientierung vermutlich nicht schwer – vermutlich, weil ich ja nicht allein unterwegs war. Julia Knipping von der Tourist-Information Beverungen begleitete mich (und achtete auch darauf, dass ich nicht entkräftet vom Sattel rutschte …) Und sorgte dafür, dass wir uns nicht verfuhren.
Die Tour kann natürlich überall gestartet werden, üblicherweise aber beginnt sie in Beverungen – der Flyer führt sie auch dementsprechend auf. Aber weil wir unsere Räder in Bad Karlshafen bestiegen, spricht natürlich nichts gegen eine Tour, die in unserem Fall woanders (nämlich in Bad Karlshafen) beginnt.
Langer Rede kurzer Sinn: Wir fahren los. Schon nach kurzer Strecke sehen wir rechts hinauf zu den Hannoverschen Klippen mit dem Weser-Skywalk, der 2011 freigegeben wurde. Die ungewöhnlichen Buntsandsteinformationen sind von unten gut sichtbar, aber ein Abstecher hoch hinauf und dann zum Skywalk ist trotzdem noch empfehlenswert. Heute schaffen wir das nicht, obgleich wir schon an unserer folgenden Raststation dazu Gelegenheit haben.

Drei auf einen Streich

Später auf der Tour: Ausblick vom Karlstein

Wir erreichen Würgassen und stärken uns da mit einem frischen Salat. Gleich dort, nahe beim Weserufer, wäre der Einstieg zu einem rund zwei Kilometer langen Aufstieg zum Skywalk möglich (hin und zurück benötigt man rund 1 Stunde Gehzeit). Wer also Zeit übrig hat oder vorab einplanen will, kann sich hier die Füße mal so richtig vertreten. Ich war nicht oben, stelle mir aber vor, dass die Mühe sich wirklich lohnt.
Für uns hat sich die Rast gelohnt, denn frisch gestärkt surrt das E-Bike nochmal so flott. Wobei – flott sein müssen wir ja nicht, sonst verpassen wir das, weswegen wir die Radtour machen: Umschauen, Landschaft genießen.
Die folgenden sechs Radfahrkilometer befördern uns von Würgassen nach Beverungen. Zuvor werfen wir noch einen Blick über die Weser, denn vom kleinen Ort Herstelle aus nähert sich uns die Personenfähre Herstelle-Würgassen. An dieser Stelle wäre eine Verkürzung der Radtour denkbar – später werden wir uns Herstelle aus einer ganz anderen Richtung nähern …

Drei auf einen Streich

Personenfähre Herstelle-Würgassen

Jetzt aber zockeln wir erstmal gemütlich durch die Straßen von Würgassen … wobei, durchzockeln ist nicht, wir halten einige Male aus gutem Grund. Die katholische Kirche Sankt Michael ist einen Blick wert.

Drei auf einen Streich

Kirche Sankt Michael

Wir strampeln weiter, verlassen Würgassen und passieren eine ganze Anzahl ehemaliger Abbaugruben, die heutzutage zu reizvollen Seen umgestaltet wurden: Weserberglandsee, Mennesee oder Axelsee nennen sie sich. Verbunden wird die Idylle mit einem Blick zum ehemaligen KKW Würgassen – solch ein Blick lässt bei mir ja Heimatgefühle aufkommen, schauten wir von Neuwied aus doch jahrzehntelang aufs KKW Mülheim-Kärlich (bei dem vor kurzer Zeit zurückgebaut und der Kühlturm abgebrochen wurde). So kann Heimat also auch aussehen …
Egal, die Zeit der Kernkraftwerke ist erst einmal vorbei, und um die Abfälle können sich ja nachfolgende Generationen kümmern.

Drei auf einen Streich

Villa Löwenherz

Wir erreichen Lauenförde und fahren zur Villa Löwenherz. Sie wurde 1905 im Stil der Weserrenaissance 1905 erbaut und weist eine eine bewegende Geschichte auf; heutzutage dient es als Motorradfahrerhotel. Klar doch, dass wir mit unseren Low-level-Rider draußen bleiben und nur reingucken.

Drei auf einen Streich

Kragstuhlmuseum

Das nahebei gelegene Kragstuhlmuseum täten wir uns vielleicht anschauen, gleichwohl wir ja noch immer locker auf den Satteln sitzen. Doch es hat zu. Weil wir beim Museum aber bauartbedingt den Durchblick haben – das Gebäude ist fast rundum verglast –, sehen wir das, was wir sonst näher sehen könnten: Stühle in allen Formen und Farben.
Mitten im Flecken schauen wir uns noch die Rekonstruktion eines frühmittelalterlichen Grubenhauses an; hineinkrabbeln können wir nicht, aber draußen dran lesen wir einiges über die Geschichte.

Drei auf einen Streich

Grubenhaus

… und schon geht’s über die Weser nach Beverungen. Empfangen werden wir gleich von einem weiteren Stück Geschichte: Die Burg Beverungen, nicht weit entfernt entdecken wir das frühere Amtsgericht – alles Bauwerke, die (auch wenn die Burg zwischenzeitlich geschleift und nur noch das Turmhaus besteht) Geschichte sehbar werden lassen.

Drei auf einen Streich

Burg Beverungen

Aktuelle Geschichte finden wir dann am Weserufer. Die kleine Promenade wurde herrlich hergerichtet und lädt uns zu einer kurzen Verschnaufpause nicht weit entfernt vom Alten Fährhaus ein.

Drei auf einen Streich

Altes Fährhaus

Darauf fahren wir sehr gemütlich entlang der Weser, betrachten den Bever-Mäander bei den Beverwiesen. Die Bever mündet hier nach raschen zehn Kilometern Bachlauf in die Weser.

Drei auf einen Streich

Weserschleife

Personenschiffe schippern regelmäßig über dieses Stück Weser; auch wenn wir heute keines sehen, so überzeugt mich dieser lauschige Abschnitt so dicht am Wasser, wie entspannend nicht nur eine Schifffahrt in diesem stillen Flusstal sein kann, sondern auch eine Fahrradtour …
Der nächste Anlaufpunkt kommt nicht überraschend. Wir sahen die Gierseilfähre Herstelle/Würgassen ja bereits vom gegenüberliegenden Flussufer. Jetzt hat der Fährmann angelegt und schaut uns auffordernd an, doch wir winken ab und erklären, dass wir nicht in den Genuss der kräftesparenden Fähre kommen wollen.
Stattdessen schlenkern wir nach einigen Kurven durch die Gassen des Ortes hinan, aber so richtig. Und endlich entdecke ich »Turbo« im E-Bike, und während mir die Haare fast vom Schädel fliegen, gewinnen wir rasend rasch an Höhe.

Drei auf einen Streich

Kloster

Der Abtei vom Heiligen Kreuz können wir nur einen Besuch von außen abstatten, obschon der Klosterladen lockt – doch die Zeit drängt. Eher unglückselig an einem solchen Ort, an dem »Führungskräfte« in der Abtei Eintritt erhalten und eine Auszeit nehmen können. Führungskraft bin ich heute eh nicht, denn ich halte mich eher in zweiter Position – ratsam, wenn man wie ich ortsunkundig ist.
So aber turborieren wir zur nahen Burg, die wir ebenso von außen betrachten. Annette von Droste-Hülshoff – von der ich, ich gestehe es freimütig, noch keine Zeile je gelesen habe – hat sich hier aufgehalten und Worte zu Papier gebracht. Ein schöner Ort, bei dem ich mir vorstellen kann, dass die Worte nur so fließen.

Drei auf einen Streich

Kreuzstein

Noch mehr angesprochen, diesmal aber namentlich, fühle ich mich beim nächsten Abstecher: Beim Karlstein mit dem Kreuzstein gibt’s als Draufgabe noch einen netten Blick übers Wesertal. Auf dem steinernen Kreuz prangt die Zahl 797, ob es jetzt haargenau in jenem Jahr gewesen war, dass ein Steinmetz im Gefolge des bekanntesten Karl seine Hand an den Stein anlegte, wird wohl bezweifelt, eher wohl stammt der Stein aus der karolingischen Kapelle einer früheren Burganlage. Alt ist er auf jeden Fall, sehenswert finde ich solche Erinnerungen aus alter Zeit allemal.
Auf gut ausgebauten Wirtschaftswegen kutschieren wir zum Erlenhof. Einkehr wäre angesagt, wenn wir nicht schon eine sättigende Rast einlegt hätten. So schaue ich den Kuchen mampfenden Gästen im luftigen Bauernhof-Ambiente zu, derweil noch ein paar touristische Prospekte zur Weitergabe hinterlegt werden.

Drei auf einen Streich

Aussicht beim Papageienhof

Nur ein paar Pedaltritte und ein paar Energieeinheiten aus dem Turbo-Antrieb weiter passieren wir den Papageienhof, nebenher bewältigen wir »hier oben« auch den Höhepunkt der Tour, weiter hinauf geht’s nun nimmer. Zwar ist der Papageienhof geöffnet, und rund 100 Papageien machen lauthals auf sich aufmerksam, aber ist mir heute nach einer mehr veganen Radtour, sodass wir auf eine Tierbesichtigung verzichten. Trotzdem – für Tierliebhaber (bin ich auch!) und Papageienfreunde ist der Besuch, so lasse ich mir glaubwürdig sagen, lohnenswert!
Hier droben auf dem Plateau zeigt sich natürlich ein gänzlich anderes Bild: landwirtschaftlich genutzte Fläche, keine Weser, ein laues Lüftchen, das um die Nase streicht – eine schöne Kombination von Fluss und Land, die wir auf unserer Tour erleben …
Wir sind zwar gar nicht so viele Stunden unterwegs, aber ein bemerkenswert Detail jagt doch das andere. Ein Besuchersteinbruch zwingt uns zu Recht zum nächsten Abstecher – mit Fallhammer-Pflastermaschine und Lore und mehr.

Drei auf einen Streich

Besuchersteinbruch

Dann cruisen wir entlang von Streuobstwiesen, bestaunen die Krukenburg von – ja, die Zeit läuft weg, und wir stehen da herum – außen, und schieben dann ein Stück des Wegs die E-Bikes, denn nur auf diesem kurzen Abschnitt zieht der Weg doch wirklich steil hinunter.

Drei auf einen Streich

Aufgang zur Krukenburg

Und bevor es für uns kein Halten mehr gibt, halten wir unsere Gefährte fest und steigen erst unten wieder auf …

Drei auf einen Streich

Klosterhof

… um beim Klosterhof gleich wieder abzusteigen.

Drei auf einen Streich

Klosterhof

Später radeln wir über den Hochwasserdamm, werfen auf den kleinen Ort Helmershausen noch einige Blicke, die er wirklich verdient, und überqueren ein zweites Mal die Weser.

Drei auf einen Streich

Helmarshausen

Das Stück bis Bad Karlshafen läuft betulich ab, ebenerdig, weil wir ja unten sind und bleiben, und fernab von störendem Autoverkehr. Breit genug ist der Weg, dass wir uns unterhalten können. Und plaudernd erreichen wir unsere Ausgangsstadt.
Doch weil auf dieser Tour insgesamt so viel zu sehen ist, bleiben auch in diesem Städtchen nicht unbeschäftigt.
Bad Karlshafen ist Kurstadt und Soleheilbad, um das Rathaus herum wurde 2019 der Barockhafen wieder für den Schiffsbetrieb geöffnet und das barocke Areal weitgehend restauriert. Flanieren wäre jetzt hier schön, aber wir – nein, ich schreibe es nicht! – wir also radeln die letzten Meter, suchen noch das Gradierwerk bei der Therme auf und beenden die Rundtour bei Jan Pauls Fahrradverleih. Jan Paul hat seinen verdienten Feierabend begonnen, und so deponieren wir die E-Bikes sicher am vorgegebenen Platz.

Rathaus in Bad Karlshofen

Was bleibt: Eine rundum gelungene Tour! Empfehlenswert, weil:
Ruhige Streckenführung. Selbst innerhalb der Orte blieben wir weitgehend vom Autoverkehr unbehelligt; kurze Straßenabschnitte erwiesen sich als unaufgeregt passierbar. Landschaftlich reizvoll: Die Weser lange Zeit immer im Blick, auf dem Plateau weite Sichten.

Drei auf einen Streich

Gradierwerk

Nur mit dem Bike: Ob E-Bike oder Fahrrad, egal, die fast 30 Kilometer lassen sich so nur radelnd erleben. Wandern, klar, geht auch, aber dazu ist es zu viel harte Untergrund (fürs Chillen auf dem Fahrrad eher ideal). Und mit dem Auto alles abgrasen? Machbar, muss aber nur sein für die, die mit dem Auto auch in den heimischen Gartenpavillon fahren, weil dazwischen zu viel Natur liegt.

Viele Sehenswürdigkeiten: Für jeden Gefallen ist etwas dabei, historisch, modern, mit Tieren und mit Kuchen. Burgen, Kernkraftwerk, Kirchen und Fähre. Ach, es gibt sehr viel zu sehen, und die für mich vorgesehene Zeit reichte bei weitem nicht aus.
Was also tun: Hinfahren. Und am besten einen ganzen Tag einplanen. Dann lässt sich alles in Seelenruhe betrachten und besuchen. Mir jedenfalls hat diese Tour mit Turbo (na, nur ab und an!) Geschmack gemacht.

Drei auf einen Streich

Uferpromenade in Beverungen

Alle wichtigen Informationen zur Tour und einen ausgezeichneten, sehr ausführlichen Flyer zum Herunterladen (mit sehr vielen Informationen zu jeder einzelnen Sehenswürdigkeit am Weg) findet sich hier:

Drei auf einen Streich

Ach, und der Akku des E-Bikes hätte noch ein paar Kilometer mitgemacht. Turbo hin oder her, es war noch genug Energie übrig …

 


Hinweis! Meine Reise wurde unterstützt von Teutoburger Wald Tourismus und weiteren Institutionen vor Ort und fand im Rahmen des EFRE-Projekts »Zukunftsfit Digitalisierung« statt. Das Projekt wird gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Land Nordrhein-Westfalen. Dieser Artikel ist in einer Kooperation entstanden und deshalb als Anzeige gekennzeichnet. Mein Dank geht an alle Menschen, die mich bei meinen Erlebnissen begleitet und unterstützt haben.

No Comments

Post A Comment