Wohin sehnt sich der Wanderer gewöhnlich, wenn er zur Ruhe finden will? Genau, in den Wald. Aber sobald der gewöhnliche Wanderer sich im Wald wiederfindet, weiß er vor lauter Bäumen gar nicht, wo es ihn nun eigentlich gezogen hat. Gut, ob’s ein Nadelwald ist oder ein Laubwald, das wird auch noch der Städter auseinanderhalten können. Hoffentlich. Aber ist es nun ein Spitz-Ahorn oder ein Feld-Ahorn?

Ganz schwierig wird es für mich, sobald sich mir Sträucher in den Weg stellen. Nicht dass ich vor ihnen zurückschrecke, aber ich möchte doch allzu gern wissen, welches Gesträuch mich da mit seinen feuerroten Beeren locken will.

Ja, solche und ähnliche Fragen stelle ich mir manchmal, wenn mich die Füße wieder in die Natur tragen. Und weil mein Gedächtnis kurz ist und nicht selten auch der Anreiz fehlt, später dann in der Stube noch Bestimmungsbücher zu durchforsten, ist ein kleines handliches Büchlein genau das Richtige, um vor Ort gleich nach dem Rechten zu sehen.

Bäume und Sträucher

»Bäume und Sträucher – entdecken und erkennen« heißt das von Stefan Cölsch für den BLV Buchverlag verfasste Bestimmungsbuch. Stefan Cölsch hat Holztechnik in Rosenheim studiert, aufgewachsen ist er im Pfälzer Wald, nun lebt er in einer kleinen Waldsiedlung bei Böblingen. Wer dieser Mann von Bäumen (und Sträuchern) keine Ahnung hat, dann weiß ich’s nicht …

Mit dem Band also und dem darin enthaltenen Fachwissen begebe ich mich auf die Wanderschaft. Einige Male habe ich es in den vergangenen Monaten im Seitenfach stecken gehabt – nicht ganz die richtigen Jahreszeiten, denn der Spätherbst und der Winter machen es nicht ganz einfach, die entlaubten Laubbäume und überhaupt Pflanzen wegen der fehlenden Blüten und Früchte zu unterscheiden.

[tip]

•   Bäume und Sträucher: entdecken und erkennen
•   Autor: Stefan Cölsch
•   Verlag: BLV Buchverlag
•   Erscheinungsjahr: 2011
•   Seiten: 162
•   Besonderheiten: rund 220 populäre Arten
•   ISBN: 978-3-835-40787-9
•   Verkaufspreis: EUR(D) 7,95
•   Format: 19 x 10 x 1 cm[/tip]

Die Einführung ins Buch ist – wie es sich für einen handlichen Naturführer gehört – erwartungsgemäß knappgehalten. Das Wichtige ist im Kapitel »Bäume und Sträucher sicher bestimmen« zusammengefasst; entscheidend ist hier das Aussehen der Blätter. Die nachfolgenden Baumporträts sind dann auch folgerichtig nach bestimmten Blattmerkmalen (ganzrandig, gesägt oder gegenständig und wechselständig und so fort) in Gruppen eingeteilt. So finden wir Nadelblätter, schuppenförmige Blätter und Laubblätter durch farblich unterschiedliche Piktogramme aufgelistet.

Die sogenannten Baumporträts sind dabei immer gleich aufgebaut, wie uns die Einführung weiter verrät. Ich füge eine Beispielseite an, auf der die immer selbe Art der Beschreibung deutlich wird. Einer kurzen Beschreibung mit den Merkmalen, von denen die wichtigen in roter Schrift hervorgehoben werden, folgt das Vorkommen. Abgeschlossen wird die Beschreibung durch einen meist längeren Abschnitt zu Wissenswertem.

Bäume und Sträucher

Das können Informationen zur Herkunft der Bäume oder Sträucher sein, Besonderheiten beim Wuchs, Nutzen als Heilpflanze und vieles andere mehr. Über der Beschreibung steht noch der lateinische Name der Pflanze sowie eine Monatsleiste; schwarze Punkte kennzeichnen dabei die Blütezeit, mit roten Punkten werden die Monate bedacht, in denen die Früchte reif sind.

Auf der rechten Seite finden sich jeweils eine oder zwei Fotografien; meist mit den besonderen Kennzeichen der Pflanze wie Blüten oder Früchte oder Zapfen. Die Fotos sind anschaulich und detailliert. Was ich vermisse, ist eine wetterfeste Ummantelung; der Einband wird auf Dauer unter der Beanspruchung leiden.

Circa 220 Bäume und Sträucher werden auf 162 Seiten erläutert. Auf meinen Wanderungen im Herbst war es mit den Blüten und/oder Früchten natürlich nicht mehr weit her, doch wenigstens an den Blättern konnte ich mein Halbwissen aufpolieren. Und, jetzt muss ich doch das vorhin Gesagte revidieren, eine Mispel – für mich bis dahin ein unbekanntes Wesen – trug Früchte, und ein Blick ins Buch bestätigte: Sie tat gut daran. Im Oktober (roter Punkt) sollte sie voll mit diesen braunen, circa 3 cm großen Früchten sein (und sie soll »mit 5 freien Kelchzipfeln« bestückt sein). Das alles verriet mir der Naturführer.

Die Form der Darstellung ist auch für mich verständlich, nachdem ich den Blick für die unterschiedlichen Blattformen verbessert habe. Die Hoch-Zeit von »Bäume und Sträucher« wird natürlich erst in den nächsten Monaten kommen, aber dann werde ich den angenehm schmalen Band öfter einpacken. Er nimmt nicht viel Platz weg und passt gut in eine Seitentasche am Rucksack. Und eines Tages werde ich vielleicht soweit sein, nicht mehr nur zwischen Nadel- und Laubbäumen unterscheiden zu können …

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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6 Responses

  1. Christoph Diefenbach

    Hallo Georg,
    ein sehr gutes Buch um Bäume und Sträucher kennen zu lernen. Ich kann dir aber auch den Kosmos Naturführer “Welcher Baum ist das ?” von Aichele/Schwegler empfehlen. Da sind sogar Abbildungen von Bäumen und Sträuchern im Winter drin, also ich meine die Knospen an denen man die wichtigsten Vertreter dann unterscheiden kann. Oder du kommst im Sommer einfach mal mit zu einer meiner naturkundlichen Führungen.
    Viele Grüße Christoph

    Antworten
    • Georg

      Ich habe vor einigen Monaten einige Bestimmungsbücher erhalten, die ich reihum mitgenommen habe; zu meinen Wunschtiteln gehörte halt dieses “Baumbuch”, nicht das von Dir genannte. Aber ich behalte das mal im Hinterkopf, vielleicht mag ich später im Jahr doch noch einmal das eine oder andere Buch neu in den Rucksack packen. Den Wink mit Deinen naturkundlichen Führungen schreibe ich mir hinter die Ohren, vielleicht sehen wir uns ja. Ach, war da nicht vorher noch was mit Schneeschuhwanderung? ;-)

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      • Christoph Diefenbach

        Hallo Georg,
        ja die Sache mit dem Schneeschuhwandern würde ich ja liebend gerne machen. Vielleicht kannst du ja ein gutes Wort einlegen, damit es endlich mal schneit. Ich hab auch schon mal daran gedacht einen Sponsor zu suchen, der mir eine Schneekanone finanziert. Anmeldungen für das Schneeschuhwandern hätte ich schon genug.
        Gruß Christoph

      • Georg

        Auf mich hört doch niemand! Und fürs Schneeschuhwandern hätte ich dann doch lieber echten Schnee – das mit der “Kanone” sollte sich eher auf eine mit Gulasch gefüllte beschränken. ;-)

  2. guidowke

    Interessanter und nützlicher Beitrag. – Hast du denn wenigstens die Mispel probiert. Ich habe sie neulich zum ersten Mal gekostet (ein Kollege hat uns herausgefordert) und fand sie lecker, eigentlich jede leckerer als die vorige ;-)

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    • Georg

      So weit bin ich noch nicht. Bei der Wanderung hätte mir besser Petra zur Seite gestanden, sie kennt sich mit viel mehr Pflanzen aus als ich (“natürlich war das eine Mispel”, meinte sie nachher) und hätte mir vielleicht zum Verzehr geraten. Beim nächsten Mal …

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