„Wetterwarnungen für KREIS NEUWIED, ausgegeben am Donnerstag, 01.05.2014 15:45 Uhr, gültig von Donnerstag, 01.05.2014 15:45 Uhr bis Donnerstag, 01.05.2014 19:00 Uhr. Von Südwesten ziehen wiederholt Gewitter auf. Dabei gibt es Starkregen mit Niederschlagsmengen um 20 lm² in kurzer Zeit.“. Man sollte den Wetterfröschen den Alkohol entziehen. Schon gestern wurden für Neuwied schauerliche Zustände prophezeit. Es gibt keinen Grund, warum ich mir täglich den Wetterbericht anhöre – die Wetterpropheten überschlagen sich doch immer nur mit ihren Schauermärchen nach dem Motto: Ich war der, der vor dem Unwetter gewarnt hat! Oder sie verkünden grausiges Wetter, um dann bei schönstem Sonnenschein allein in der Walachei unterwegs zu sein …

Der 1. Mai sieht uns regelmäßig draußen im Wald. Oder wenigstens „am Wald“. Schon früh gingen wir scharenweise, meist bereichert um unsere Kinderscharen, gemeinsam mit Freunden und/oder der Familie raus, sobald die Maibowle lockte. Na ja, nie war es eine Maibowle, die uns wirklich lockte, meist eher Süffiges, meist in Maßen. „Man“ wird ja älter. Früher führte uns der 1. Mai oft an die Wied, kurze Touren mit den Kindern, die tragefreundlich als Handgepäck verstaut wurden oder – später – eigene Wege gingen. Jedenfalls hat der 1. Mai als Wandertag für uns Tradition, und natürlich nehmen wir auch in Kauf, dass wir nicht die Einzigen sind, die den Tag zum Anlass nehmen, sich nicht daheim, sondern in der freien Natur die Kanne zu geben. Wobei – dem „die Kanne geben“ sind wir längst entwachsen, dafür sind die Strecken etwas länger geworden, der Atem kürzer …

Auf dem Limespfad.

Ausgesucht hatte ich eine mittellange Strecke bei Höhr-Grenzhausen. Bei Wanderungen mit mehreren ist es immer ganz schön, wenn die Wege ab und zu nicht allzu schmal und eng sind, damit Gespräche möglich sind. Außerdem zieht es „unsere“ Gruppe recht rasch arg auseinander, weil wir unterschiedliche Tempi draufhaben – bei schnurstracken Wegen recht ein Blick zurück, um sich zu vergewissern: Sie folgen uns. Bei pfadigen Wegen bin zumindest ich geneigt, an jeder nächsten Biegung zu warten und zu gucken, wo „sie“ denn bleiben. Und am 1. Mai ist es generell gut, breite, sehr breite Wege zu wählen, damit entgegenkommende und hinterherhetzende Wandergruppen zügig passieren können. Eine Begegnung auf engem Pfad, womöglich im Hang, wenn die Ortsgruppe Köln-Nordost Sektion IX entgegenstampft, ist nicht erstrebenswert. Und am 1. Mai sind alle Ortsgruppen aller Wandervereine unterwegs, ergänzt um freie Wandergruppen beispielsweise der Friseurinnung und der Fleischergilde, nicht zu vergessen die Burschen vom Junggesellenverein „Bölkstoff für alle“ (den Verein gibt es in jedem Westerwalddorf) und die alten und sehr alten Herren der diversen Fußballvereine. Und. Und. Und. Daheim bleiben am 1. Mai ja nur die Fußkranken – wenn sie nicht im Handkarren mitgenommen werden.

 

[tip]KurzInfo! Der Wanderweg “Rund um den Köppel” ist mit dem Zeichen “HG6” bestens ausgeschildert, eine Wanderkarte ist nicht nötig. Die Rundwanderung ist 13,8 Kilometer lang, als Gehzeit sind 4 Stunden 15 Minuten angegeben. Wir haben eine halbe Stunde länger gebraucht, obwohl wir recht schlendrig unterwegs waren. An Steigungen werden 251 Höhenmeter verbucht. Auf dem Rundweg sind die sehr geschickt verteilt: Egal, wie herum man den Weg wandert, es geht erst einmal bis zur Hälfte der Strecke bergauf, um danach fast ausschließlich bergab zu gehen. Übrigens wandert man keineswegs “Rund um den Köppel”, wie der Streckenname suggeriert, sondern streift den 50 Meter hohen Berg am Rand. Da hat sich wohl jemand bei der Namenswahl arg verlaufen.

Wir wanderten entgegen der vorgeschlagenen Wanderrichtung, also gegen den Uhrzeiger. Der Grund: Wir hatten den HG6 vor einigen Jahren bereits erwandert und wollten mal “andersrum”. Und ich finde den Abschluss durch das Brexbachtal schöner als die letzten Meter über die stillgelegte Bahnstrecke von Hillscheid nach Höhr (Flürchen). Die Wanderung stellt keine besonderen Anforderungen, die Steigungen sind moderat und gleichmäßig, die Wanderwege bis auf den Limespfad und die Strecke am Brexbach gut ausgebaut. Gewöhnliche Wanderschuhe reichen aus. Einkehren kann man am Ende der Tour in der Waldgaststätte “Flürchen”.

Wer möchte, kann auf die weiter unten im Bericht angeführte Wegekarte zurückgreifen. Am unteren Rand stehen die Optionen “Alle Tourdaten ansehen” und/oder “Mehr erfahren” zur Auswahl. Klickt man eine davon an, wird man zu Outdooractive weitergeleitet. Dort steht die Tour dann zum Herunterladen bereit: Unter “Service” stehen verschiedene Möglichkeiten bereit – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

 

Natürlich hatten wir am 1. Mai schönstes Wetter. Wie geplant wanderten wir – Schwester Gaby, Schwager Herbert, Schwester Sylvia, Schwager Marc, Petra und ich – auf dem HG6 bei Höhr-Grenzhausen. Los ging es am „Flürchen“; die Waldgaststätte hatte ihre Pforten noch verschlossen, weshalb ein Vorab-Trunk ausfallen musste. Dafür ergatterten wir noch einen Platz auf dem wirklich üppigen Parkplatzgelände. Was sich später, bei der Rückkehr, als pures Glück herausstellen sollte.

Die ersten Wandergruppen trennten sich gleich dort. Dafür stießen andere später und eigentlich immer, zielstrebig aus allen Richtungen herbeieilend, auf unsere arg kleine Gruppe. Allen Unkenrufen zum Trotz erwischten wir am Kleinkastell in Hillscheid wirklich eine unbelagerte Tisch-Bänke-Einheit, auf der wir uns nach gefühlten 10, aber echten 2 Kilometern niederließen.

Rasten, bis der Centurio kommt.

Nicht weit entfernt von dort lungert Thiels Hütte mitten im Wald. Sternförmig laufen von dort einige Wanderwege hinweg. Die asphaltierte Straße dorthin war bestens besucht, hin und her fuhr sogar ein Shuttlebus, der immer wieder neue Trink- und Esswillige ankarrte. Johlende, meist ältere (ja, noch älter als ich) Menschen winkten uns zu, während wir den Hügel keuchend erklommen.

Der Duft von Erbsensuppe und Dosenbier schwebt durch den Wald.

Vor Thiels Hütte macht der HG6 aber – ich sollte jetzt „Gott sei dank“ schreiben, aber der Schlenker brachte ja nur eine zeitlich begrenzte Entspannung – einen Schwenk rechts in den Wald, um in einem großen Bogen doch zur Hütte zu laufen. Ein Foto zeigt, wie eng es dort war (das mit der „engen Kiste“ im Beitrag gestern bewahrheitete sich also doch). Wir schlängelten uns mittendurch, verzichteten auf Erbsensuppe und Bier, kurz flackerte die Erinnerung an Weihnachtsmärkte oder Supermarktkassen an Heiligabend auf, dann hatten wir’s geschafft.

 

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Hört sich jetzt schlimmer an, als ich es erlebt habe. Immerhin hatte ich ja den Weg ausgesucht, insofern bin ich’s selbst schuld und insofern wusste ich auch „ungefähr“, was uns erwartet. Aber heiliger Bimbam, so viele Menschen?

Flohmarkt im Wald?

Der Rest des Wegs läuft dann stetig abwärts bis zum „Flürchen“, später noch recht malerisch Hintersten Bach und am Brexbach entlang. Und ganz später ergatterten wir sogar noch einen Platz in der Waldgaststätte, ließen das entalkoholisierte Bier die Kehle runterzischen und waren froh, so früh auf dem Parkplatz geparkt zu haben. Der war jetzt proppenvoll.

Heimwärts fuhren wir über Hillscheid, runter nach Vallendar dann am Startpunkt zum „Traumpfad Waldschluchtenweg“ vorbei. Noch mal heiliger Bimbam: Selten habe ich eine Landstraße links und rechts so vollgepackt mit Autos gesehen. Fast war kein Durchkommen mehr. Da hatten wir ja Glück auf unserem HG6 …

Unsere Wandergruppe mit zwei unbekannten Fremdwanderern (vorne im Bild).

Schlussworte: Tolles Wetter (die Halbstarkenwolken kamen, als wir das Bierchen schluckten), tolle Stimmung, schön was los. Hat Spaß gemacht – und am nächsten 1. Mai sind wir wieder dabei (sind wir ja immer). Der Wanderbericht fällt heuer kurz aus. Mai-Wanderungen sind ja auch irgendwie Wanderungen der besonderen Art. Die Atmosphäre ist anders, lauter, geschwängert mit unterschiedlichen Gerüchen, meist alkoholhaltiger Natur. Von Ruhe weit und breit keine Spur, die Tiere des Waldes sind nicht zu beneiden, der Mensch hat sich das lauthalsige Vergnügen aber selbst ausgesucht. Einmal im Jahr wird im Wald die Sau rausgelassen. Ist so. Fertig.

 
 

Schlenderer

Schlenderer

... wandert nicht nur in den Regionen um das Rheintal, sondern auch andernorts - und berichtet darüber in seinem Blog Schlenderer. Schreibt fantastische, erotische und kriminelle Geschichten. Ist Paper&Pen-Rollenspieler der ersten Stunde - und riskiert noch heute gern sein Leben am Spieltisch.
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2 Responses

  1. Werner Lang

    1. Mai, Rund um den Köppel
    Das freut den Hilfslegionär. Er war sogar auf dem Köppel. Und dann rasten bis der Centurio kommt. Danke für die Römerwerbung. Nach dem Hadrian´s Wall (s. http://www.limeswanderweg.info unter “News” vom 8.4.2014 geht es jetzt Richtung Rom. Ich wandere mit. Sag´dem Centurio Bescheid.

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    • Georg

      Statt Köppel begnügten wir uns ja mit Thiels Hütte. Von Rasten konnte da – im Gegensatz zum Kastell – dann keine Rede mehr sein. War auch gut so, der Centurio hätte uns sonst sicher Beine gemacht. ;-)

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