Der Heidschnuckenweg, schon lange stand er auf meiner Wanderwunschliste ganz oben. Als Georg dann die Anfrage bekam, ob er am 1. Dt. Bloggerwandertag einen der Top-Trails wandern wolle, da kam uns beiden direkt der Gedanke: Wieso nicht diesen Weg, wenn ich denn mitwandern durfte? Schnell wurden diese Fragen geklärt und am 7. Mai ging es dann los. Und speziell für mich wurden bestimmte Programmpunkte ausgewählt. In meiner Freizeit beschäftige ich mich leidenschaftlich gerne mit Wolle. Das treibt Georg manchmal an den Rand der Verzweiflung, wenn der Garten statt nach Blumen mal wieder nach frisch geschorener Schafwolle müffelt ;) Was liegt also näher, als die Tage in der Lüneburger Heide nicht nur mit Wandern, sondern auch mit Heidschnucken und ihrer Wollverarbeitung zu verbringen.

Gleich am Anreisetag treffen wir uns mit Frau Goltz in ihrer Spinnerei und Weberei in Hermannsburg. Direkt beim Betreten der Werkstatt stoßen wir auf eine andere Welt. Hier wird altes Handwerk noch gelebt und somit in Erinnerung gehalten.

Spinnräder stehen unmittelbar hinter dem Eingang und schnell sind wir am Fachsimpeln über die verschiedenen Spinnradtypen und wie man die Wolle am besten verarbeitet. Ich habe mir mein Wissen über das Spinnen aus dem Internet angeeignet. Wie glücklich bin ich also, endlich persönlich Fragen vor Ort stellen zu können, die mir Frau Goltz fachkundig beantwortet. Vieles habe ich dazugelernt.

Aber nicht nur Spinnräder, sondern auch alte und neue Webstühle sind in jeder Ecke des kleinen Häuschens aufgebaut und warten darauf, bestaunt zu werden. Ein Webstuhl stammt aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts und zieht schnell meinen Blick auf sich. Er ist aufgezogen mit Baumwollkettfäden. Wie wir erfahren, webt eine junge Frau aus dem Nachbarort darauf mit selbstgesponnener Heidschnuckenwolle einen Teppich.  Heidschnuckenwolle, so lerne ich, wird auch Teppichwolle genannt, denn sie ist recht grob. Sie setzt sich aus den Grannenhaaren – dem langen Deckhaar – und der weichen warmen Unterwolle zusammen. Mit viel Aufwand könnte man diese beiden Wollschichten trennen. Weil dies aber sehr zeitintensiv ist, wird in den meisten Fällen davon abgesehen und die Wolle als Einheit verwendet. Man verspinnt sie dick als Teppichgarn oder dünn als Wolle für Jacken oder Western. Denn direkt auf der Haut möchte man dieses kratzige Garn nicht tragen.

Frau Goltz erzählt noch, dass sie zusätzlich Spinnkurse leitet und auf Märkte geht, um dort ihr Wissen weiter zu geben. Einen Tag der offenen Türe gibt es im Sommer in ihrer Werkstatt, an dem auch Wolle mit Naturmaterialien gefärbt wird. Regelmäßig treffen sich Frauen aus der Nachbarschaft zum gemeinsamen Spinnen. Viel zu schnell vergeht die Zeit und wir müssen uns verabschieden. Angefüllt mit neuen Informationen über Rohwolle und ihre Verarbeitung verlassen wir die Werkstatt – und ich freue mich schon darauf, einiges davon zu Hause an meinen eigenen Spinnrädern auszuprobieren.

In der Heidehexe, unserer ersten Übernachtungsstätte werden wir an diesem Abend noch mit einem leckeren Heidschnuckengericht bekocht.

Auch der Freitag, unser 2. Tag des Bloggerwandertags, beginnt mit Heidschnucken. Sofort nach dem Frühstück fahren wir zu Herrn Kuhlmann auf den Heidschnucken Hof Niederohe.

Der Hof ist seit mehreren Hundert Jahren im Familienbesitz und genauso lange werden hier Heidschnucken gehalten, wie uns Herr Kuhlmann bei unserem Eintreffen erklärt. Um genau zu sein, handelt es sich bei seinen Tieren um graue gehörnte Heidschnucken.
Auf einer eingezäunten Weide tummelt sich die mehrere hunderte Tiere umfassende Heidschnuckenherde des Hofes. Seit einiger Zeit gehört auch eine kleine Herde Ziegen dazu. Die Tiere blöken laut, weil sie endlich los möchten. Jeden Morgen werden die Tiere erst aus dem Stall in das umzäunte Gatter gelassen, um von dort aus dann ihre tägliche Wanderung zu beginnen.

Die Heidschnucken werden hier in einer traditionellen Hütehaltung gehalten. Das heißt, sie verlassen jeden Morgen zusammen mit dem Schäfer und den Hütehunden den Hof, durchstreifen tagsüber die Heideflächen und kommen am Nachmittag zurück, um die Nacht sicher im Stall zu verbringen. Aus Herrn Kuhlmanns Erzählungen hört man die Verbundenheit mit seinen Tieren und seinem Hof heraus.


Er führt uns auf seinem Hof herum. Auch die in einer extra Umzäunung getrennt gehaltenen Heidschnuckenböcke dürfen wir bestaunen. Im Gegensatz zu den Muttertieren sind die Böcke bereits geschoren. Dies Schur geschieht zu einem festgesetzten Termin, der bei allen Herden gleich ist. Im Juli werden dann ausgewählte Böcke bei der bekannten Heidschnuckenbockauktion in Müden prämiert.

Mittlerweile ist die Herde zusammen mit einer Angestellten von Herrn Kuhlmann zu ihrer täglichen Wanderung aufgebrochen. Heute geht es nicht auf die hofeigenen Heideflächen, denn die Tiere dürfen das frische Grün auf einer Ackerfläche abfressen. Uns erwarten aber noch die Lämmer im Stall, und laut hören wir schon von draußen ihr Geblöke. Die ersten Wochen werden die Lämmer mit ihren Müttern im Stall gehalten, bis sie kräftig genug sind, um den täglichen Marsch durchzustehen. Im Stall wuselt es nur so vor schwarzen Lämmern in allen Größen. Bei der Geburt sind die Heidschnucken schwarz. Erst im Laufe des ersten Jahres wird Ihr Fell heller und nach der ersten Schur hat sich dann ihre typische graue Färbung entwickelt.

Auch Herr Kuhlmann hat sein Leid über die Schafwolle zu klagen. Selbst geschenkt würde sie keiner haben wollen. Was für eine Schande. Aber den Lohn für die Arbeitszeit und für das Verarbeiten der Wolle kann leider keiner mehr zahlen. Und so landet die Wolle als Dünger auf den Feldern oder wird anderweitig entsorgt.
Zum Glück sind wir zu früh dran und die Schafe noch nicht geschoren, sonst hätte Georg womöglich die Rückfahrt mit Säcken voll müffelnder Heidschnuckenwolle bestreiten müssen ;) Ob er darüber so glücklich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.

So aber verlassen wir zwar mit leeren Händen, aber vollgefüllten Köpfen schweren Herzens den Heidschnuckenhof – nicht ohne uns vorher bei Herrn Kuhlmann für seine Zeit und seine Ausführungen zu bedanken.

Zurück in der Heidehexe werden die Koffer im Auto verstaut und wir brechen auf zu unserer ersten Etappe auf dem Heidschnuckenweg. Mehr dazu lest ihr in Georgs Berichten – die Links zu den ersten beiden Tagen stehen weiter unten. Aber auch von mir wird es noch einen zweiten Bericht geben. Hierin wird es um Höhenangst gehen und was es damit auf dem Heidschnuckenweg auf sich hat – lasst euch also überraschen. 

 

Zum 1. Tag geht es hier entlang: Von Spinnerei und Heidehexe und dem Gold der Lüneburger Heide

Zum 2. Tag geht es hier entlang: Von Heidschnucken und Heide pur am Heidschnuckenweg

Zum 3. Tag geht es hier entlang: Auf dem Heidschnuckenweg von Niederhaverbeck nach Undeloh

Zum 4. Tag geht es hier entlang: Auf dem Heidschnuckenweg von Undeloh nach Handeloh

Im Pietzmoor waren wir auch: Frühmorgens durch das Pietzmoor bei Schneverdingen

Petras Bericht über die Vorzüge des Heidschnuckenwegs: Wie meine Höhenangst den Heidschnuckenweg lieben lernte

 

 

[Hinweis! Unsere Bloggerreise wird von den Top Trails of Germany und der Lüneburger Heide GmbH und Einrichtungen vor Ort gesponsert.]

2 Responses

  1. Elke

    Liebe Petra,

    ich muss doch lachen und kann mir Georgs erleichtertes Gesicht vorstellen, dass er Müffelfrei nach Hause fahren konnte und dank dem Stau, wäre er ja recht lange damit unterwegs gewesen.
    Gerade habe ich im Fernsehn über die gute Düngeeigenschaft der Schafswolle etwas erfahren, tja an jeder Schafweide werde ich jetzt nach Wollresten suchen :D

    Schön geschrieben und gut nachvollziehbar, dass dir diese Episode eures Urlaubs in der Heide, sehr gut gefallen hat.

    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten
    • Petra

      Liebe Elke,

      danke für deinen netten Kommentagr.
      Ja, gerade diese Programmpunkte haben mir besonders gut gefallen. Aber insgesamt war der Heidschnuckenweg für mich genau der richtige Wanderweg. Es waren tolle, erlebnisreiche Tage.
      Und ich glaube, auch ich hätte die Heimfahrt nicht mit Müffelwolle verbringen wollen.

      Liebe Grüße
      Petra

      Antworten

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