Färberweg – als Georg mir den Namen dieser Tour nannte, schlug mein Herz sofort höher. Keine Frage, den Weg wollte ich gehen.

Sofort bauten sich Bilder in meinem Kopf auf, wie ich mir diesen Weg vorstellte. Viele Färbepflanzen wollte ich sehen, Erklärungen dazu lesen und am besten irgendwo vielleicht noch Farbproben zum Anschauen. Ich hatte also viele Erwartungen.

Die Wegekarte an der geschlossenen Kaffeestube.

Der passende Tag musste gefunden werden, denn die Färbepflanzen, die ich ja in Hülle und Fülle erwartete, sollten voll erblüht sein, die Blätter voll entwickelt, also alles passend halt.

In meinem Urlaub ist es dann so weit. Die Rucksäcke werden gepackt. In meinen Rucksack kommen noch zusätzlich zum Proviant ein paar Beutel und Dosen, vielleicht gibt es ja sogar etwas zu sammeln.

Leider weit und breit keine Spur vom Waid.

Wir fahren also nach Fluterschen in der Nähe von Altenkirchen im Westerwald. In der Nähe der „Kaffeestube“, die als Startpunkt genannt wird, hoffen wir den in der Karte deutlich hervorgehobenen Parkplatz zu finden.

Blick über die Westerwaldhöhen.

Aber da ist nichts, nur eine Feldzufahrt. Wir schauen auf die Karte, fahren noch einmal ein paar Straßen zurück und versuchen es aufs Neue, aber wieder landen wir nur an diesem Feld. Dort kann man nun wirklich nicht parken. Also heißt es, eine andere Parkmöglichkeit zu finden. In den schmalen Sträßchen von Fluterschen ist das gar nicht so einfach. Das fängt ja schon gut an. Schließlich stellen wir uns in eine Parkbucht an der Hauptstraße, schultern die Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Startpunkt der Wanderung.

Angegeben ist hierfür eine „Kaffeestube“. Doch diese Kaffeestube gibt es nicht mehr. An dem Bauernhaus hängen nur noch eine Wegekarte und eine erste Hinweistafel zum Färbewaid. Aber in dem kleinen Beet darunter wuchert nur das Unkraut. Färberwaid kann ich darin nicht ausmachen. Meine Enttäuschung ist riesengroß. Was für ein Tour-Beginn.

[tip]KurzInfo! Der Einstieg in den Färberweg ist an verschiedenen Orten möglich. Wir empfehlen den Parkplatz an der evangelischen Kirche in Almersbach, der mitten im Ort liegt. Von dort geht man gegen den Uhrzeiger, also zuerst hinunter zur Wied. Die Beschreibung beginnt dagegen in Fluterschen; dort suchten wir aber den ausgewiesenen Parkplatz vergebens, sodass wir im Ort parkten und losgingen.

Der Färberweg ist durchgehend mit einem markanten Zeichen (das gelbe Symbol eines  Färbertopfs) ausgewiesen. Auch eine Abkürzung, die den Weg in zwei circa 6 Kilometer lange Teilstücke trennt, ist beschildert. Empfehlenswert ist jedoch, die ganze Route zu gehen. Diese ist insgesamt 9,1 Kilometer lang und weist gemächliche 197 Höhenmeter auf; 2 1/2 – 3 Stunden Gehzeit sollten veranschlagt werden. Gastronomische Betriebe gibt es in Fluterschen und Almersbach. Für die Wanderung sind gute Wanderschuhe ausreichend, einzig der Aufstieg zum Löns-Denkmal (der “Löns-Pfad”) führt eng und schmal am Hang entlang. Selbst für Kinder sollte die Wegstrecke gut zu bewältigen sein.

Wer möchte, kann auf die weiter unten im Bericht angeführte Wegekarte zurückgreifen. Dort ist auch der Startpunkt in Almersbach an der Kirche festgelegt. Über den Klickpunkt “drucken” stehen Optionen zur Auswahl, wie detailliert die PDF sein soll – am besten einfach ausprobieren, herunterladen und dann entscheiden, welche Version man bevorzugt. GPS-Tracks können ebenfalls abgerufen werden. Und die Karte kann mit Hilfe des Reiters über dem Kartenbild in unterschiedlichen Ansichten (beispielsweise bei “Google Earth”) betrachtet werden.[/tip]

Aber jetzt sind wir schon bis hierher gefahren, jetzt wollen wir den Weg natürlich auch gehen. Also weiter. An der Straßenkreuzung gibt es noch einmal eine Färbertafel, diesmal zur Kastanie. Diese kleinen Tafeln über spezielle Färbepflanzen sollen wir auf dem Weg immer wieder einmal antreffen.

Und los geht’s: Färbepflanzen im Porträt

Das erste Stück des Weges führt über die Straße nach Oberwambach, hinein in den Wald. Zum Glück ist nicht viel Verkehr. Auch hier gibt es wieder eine Hinweistafel. Insgesamt sechs größere Hinweistafeln sollen uns im Laufe der Wanderung die Pflanzenfärberei näher bringen. Auf der Tafel kurz vor Oberwambach wird die „Färberröte“ erklärt. Aber auch hier finde ich nicht die dazugehörigen Pflanzen. Ich schaue und suche und mache ein enttäuschtes Gesicht. Vielleicht sind meine Erwartungen doch zu hoch gewesen.

Rot, rot, rot sind alle meine Kleider.

Noch ein Stück geht es die Straße lang, dann können wir endlich auf einen Forstweg überwechseln. An einer Wegekreuzung gesellt sich zum Färberweg der „Holzweg“, eine andere Wanderroute. Einige dieser Themenwege sind im Altenkirchenerland ausgewiesen.

Naturbaumreader.

Der Holzweg entschädigt uns mit schönen aufklappbaren Bestimmungsschildern, was unsere Stimmung wieder anhebt. Wenn schon der Färberweg nicht ganz unsere Erwartungen erfüllt, dann wollen wir immerhin auf dem Holzweg unsere Baumkunde erweitern.

Hier sind wir richtig, hier sind wir auf dem Holzweg.

Der Experte für Outdoor und Touren_________________________________________________________________________________________________

Nachdem wir einen Hügel hinuntergestapft sind, versperren uns Holzarbeiter den Weg. Auch das noch, scheinbar hat sich heute alles gegen uns verschworen. Was nun? Wir schauen auf die Wanderkarte. Wir schauen den Hang wieder hinauf. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Waldarbeitern zu entkommen. Wir müssen zurück. Also wieder hoch, und dann schauen wir weiter.

Der Faulbaum, zu faul zum wachsen.

Der Alternativweg führt uns nach ein paar Weggabelungen hinunter an den Almersbach. Letztlich sind wir froh, dass die Waldarbeiter uns diesen Umweg beschert haben. Das Stück am Bach entlang versöhnt uns mit dem Weg. Bald stoßen wir auch wieder auf den Färberweg. Dieser schlängelt sich den Löns-Pfad hinauf auf die Höhe. Schnaufend kommen wir oben an und lassen uns auf einer der Bänke nieder. Nach einer Stärkung, mehreren Blicken hinab ins Tal und dem „Einsammeln“ von Informationen zu Hermann Löns machen wir uns wieder auf den Weg.

Viel Gedöns um Löns.

Der Holzweg zweigt nach einem Stück rechts ab, wir aber wenden uns nach links in Richtung Almersbach. Am Waldrand stoßen wir auf eine weitere Hinweistafel, diesmal zum Thema „Färben mit Pflanzen“.

Ein Faulbaumblatt in seiner ganzen Pracht.

Nachdem ich alles gelesen habe, geht es weiter in den Ort hinein. Nach Überqueren der Hauptstraße sehen wir uns einem großen Parkplatz gegenüber. Diesen können wir als Startpunkt der Tour viel eher empfehlen.

Buntes Treiben im Wald.

Wir bestaunen noch die evangelische Kirche von Almersbach, bevor uns eine Holztreppe durch den Wald hinunter an die Wied führt. Die Kirche wurde 1199 als bestehende Kirche erwähnt. Leider ist sie nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Einen ausführlichen Beitrag zur Basilika findet sich hier: Almersbacher Kirche.

Die romanische Kirche in Almersbach.

Zusammen mit dem Wiedweg geht es jetzt weiter. Mittlerweile hat sich auch unsere Stimmung wieder gebessert. Der Weg führt uns an der murmelnden Wied entlang. Nach einer weiteren Hinweistafel geht es erst am Waldrand vorbei und dann durch üppig blühende Wiesen hinauf nach Fluterschen.

Aus grünen Wedeln wird gelbe Wolle …

Zu Hause lasse ich den Weg dann noch einmal auf mich wirken.

Wie Magie: aus grün wird gelb.

Gefunden haben wir nicht das, was zumindest ich erwartet hatte. Wer eine weitere Anfahrt hat, der sollte sich genau überlegen, ob er die hier bereitgestellten Informationen zur Färberei nicht doch auf andere Art erhalten kann.

Der Westerwaldwind weht, wir fliegen heim.

Die Hinweistafeln waren zwar informativ, hätten aber auch an jeder beliebigen anderen Stelle stehen können, denn die dazugehörigen Pflanzen suchte ich meistens vergebens. Dafür haben uns aber die schöne Landschaft und die mit Abwechslungen gespickte Wegeführung, nachdem wir uns darauf eingelassen hatten, für das nicht angetroffene entschädigt.

Faerberweg

[Die Galerie zeigt weitere Impressionen des “Färberwegs”. Die Galerie lässt sich mit den beiden Buttons unten rechts “bedienen”. SL – der linke Button – löst eine Slideshow aus, mit FS – der rechte Button – wechselt man in den Vollbildmodus. Für die richtige Anzeige der Galerie ist der Flash Player von Adobe notwendig.]

5 Responses

  1. Angelika

    Hallo Petra,
    finde ich schön, daß wir von Dir auch was erzählt bekommen :-) – schöner Bericht, wenn auch die Umstände oder vielmehr die Zustände nicht so das waren was Du erwartet hattest – Ihr habt das Beste draus gemacht und das ist wichtig :-)
    Mach weiter so – wir sind gespannt !!
    Liebe Grüsse Angelika

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  2. Elke

    Und demnächst gehst du in die Natur, nimmst deine gefärbte Wolle mit und erzählst den Pflanzen was du von ihnen willst. Im nächsten Jahr klappt das dann evtl. auch mit dem Wachstum – Pflanzenflüsterin.

    Wann gibt es den eigenen Blog zum Thema Spinnnen- färben – und Pflanzen suchen?
    Nahrungsmittelherstellung für den “teuren” Gatten könntest du auch noch mit aufnehmen, obwohl die Herstellung von Snickers dir vermutlich noch ein Rätsel sein wird.

    LG Elke

    Antworten
    • Petra

      Das mit dem eigenen Blog geistert von Zeit zu Zeit immer Mal wieder durch meinen Kopf. Mal abwarten, was vielleicht irgendwann noch kommen wird :)
      Im Moment beschränke ich mich auf die Gastbeiträge hier und übe damit schon ein wenig.

      Antworten
      • Elke

        Lass die geisterhaften Gedanken ruhig weiter reifen :-), das was du alles bei FB schreibst, dürfte für viele mit ähnlichem Hobby sehr interessant sein und ich lese, weil ich es einfach schön finde :-)

  3. JoergTh

    Danke für den tollen, informativen Bericht und die wunderschönen Bilder! Jetzt hab ich auch Lust auf diesen Weg bekommen!

    Viele Grüße aus Limburg an der Lahn, Jörg

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